Praxisbeispiele

Auf dieser Seite finden Sie Praxisbeispiele zur Klimafolgenanpassung aus Kommunen – mit ganz konkreten Hinweisen zur Umsetzung und damit zum „Nachmachen“. Über Links finden Sie beim Großteil der Projekte ausführlichere Informationen oder fragen Sie doch einfach direkt bei den Kolleg*innen in der entsprechenden Kommune nach.

…aus NRW

MEHR GRÜN INTEGRIEREN
Stadt Aachen

©Stadt Aachen

Die Stadt Aachen hat seit September 2017 eine Grün- und Gestaltungssatzung. Diese macht u. a. Vorgaben zur Erstellung von Dachbegrünungen und Bepflanzung von Stellplatzanlagen. So müssen z. B. Flachdächer
ab einer Größe von 200 Quadratmeter dauerhaft zu 60 Prozent begrünt werden. Pro angefangene
200 Quadratmeter Stellplatzanlage einschließlich Erschließungsfläche ist ein Baum mit einem Mindeststammumfang von 18-20 Zentimeter innerhalb der Stellplatzanlage zu pflanzen. Erste Maßnahmen werden umgesetzt und so mehr Grün in der Stadt geschaffen. Ein Beispiel: Bei der zu zwei Restaurantbetrieben an der Gut-Dämme-Straße in Aachen gehörigen Stellplatzanlage sind auf Grundlage dieser Satzungsvorgaben 24 neue Bäume gepflanzt worden.

Mehr Infos zur Aachener Grün- und Gestaltungssatzung…

KLIMAFOLGENANPASSUNG IN DIE STADTPLANUNG INTEGRIEREN
Stadt Bochum

©Stadtplanungsamt Bochum

Die Stadt Bochum gründete für die Umsetzung des Planungsprozesses zum Neubauprojekt OSTPARK eine dezernatsübergreifende, interdisziplinäre Projektgruppe mit einer innovativen Entscheidungsstruktur. Neben der Projektleitung aus dem Amt für Stadtplanung waren die Bereiche Grünplanung und Ökologie, Entwässerung, Straßen- und Verkehrsplanung, Liegenschaften, Sportanlagen, das Jugendamt sowie die Kämmerei vertreten. Regelmäßige Treffen ermöglichten eine frühzeitige und direkte Abstimmung, Integration und Koordination der verschiedenen Fachplanungen. Belange der Klimaanpassung wurden in diesem Rahmen eingebracht und besprochen — ohne einen großen Mehraufwand zu erzeugen. Entscheidungen des laufenden Geschäfts wurden von den Mitgliedern der Projektgruppe getroffen, wobei sie ihren jeweiligen Leitungen darüber berichteten — so wurden die Ergebnisse und Ideen aus der Projektgruppe in den Ämtern rückgekoppelt. Zielfestlegungen und Grundsätzliches sowie in der Projektgruppe strittige Entscheidungen wurden bei Bedarf von einer Lenkungsgruppe getroffen, die sich aus den Leitungen der an der Projektgruppe beteiligten Ämter zusammensetzte. Es ist geplant, diese Strukturen auch für zukünftige, exponierte Projekte in Bochum zu übernehmen. Gute Erfahrungen wurden auch mit Workshops gemacht – sowohl verwaltungsintern (z. B. zur Bebauungsplanung) als auch mit Verwaltungsexternen (z.B. zur Freiraumgestaltung mit Planungsbüros). Hier konnten Details der Planung intensiv und ergiebig diskutiert werden.

Mehr Infos zur klimagerechten Stadtplanung im Rahmen des Projekts Plan4Change…

ZUKUNFTSFÄHIGES STADTGRÜN
Stadt Bonn

Die Förderung von Grünflächen ist eine wichtige Maßnahme mit hohem Mehrwert, um eine wachsende Stadt wie Bonn an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Werden innerstädtische Grünflächen erhalten, ausgeweitet und naturnah gepflegt, profitieren zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, sie sind Orte der Naherholung und Naturerfahrung, robuster gegenüber Wetterextremen und schaffen ein besseres Stadtklima. In Bonn gibt es bereits heute zahlreiche extensiv gepflegte Wiesenflächen, 600 Hektar Stadtwald, der nach den Richtlinien der Naturlandzertifizierung bewirtschaftet wird, 20 Streuobstwiesen mit rund 750 Obstbäumen, Pestizid- und Torfverzicht im Amt für Stadtgrün, mehr als 100.000 städtische Bäume, davon 36.000 an Straßen und Plätzen, sowie artenreiche Staudenbeete oder Blühwiesen als Verkehrsgrün.

Das städtische Grün in Bonn wird durch eine Reihe an Planungsinstrumenten gefördert: Als übergeordnetes,
informelles Instrument dient der „Masterplan Grün 3.0“ für die Region Köln/Bonn. Hieraus entwickelten sich das interkommunale Freiraumprojekt „Grünes C“ und darauf aufbauend das „Integrierte Handlungskonzept Grüne
Infrastruktur“ als wichtige Bausteine für die strategische Sicherung, den konkreten Ausbau und die Qualifizierung
von Freiräumen im Bonner Norden. Weitere Instrumente sind Landschaftspläne, Standards in der Bauleitplanung für Dachbegrünung und eine Satzung zum Schutz des städtischen Baumbestandes sowie eine integrierte Freiraumplanung einschließlich eines Monitorings zur Beobachtung der Bonner Freiraumstruktur.

Mit fast 150 Quadratmeter steht in Bonn überdurchschnittlich viel kommunales Grün pro Einwohnerin zur Verfügung – der Pflegeaufwand ist, gerade angesichts von zunehmend trockenen Sommern, entsprechend hoch. Für mehr Effizienz sorgt seit 2015 ein Grünflächenkonzept, das vom Stadtrat beschlossen ist und an dem die Bürger*innen sich fortlaufend per Online-Verfahren und Servicehotline des Amtes mit Hinweisen zur Pflege beteiligen können. Dafür wurden mehr als 2.600 Park- und Grünanlagen beurteilt und in Pflegeklassen eingeteilt. Für kleine Flächen können Anwohner*innen oder Unternehmen Pflegepatenschaften übernehmen.

Mehr Infos zur grünen Stadt Bonn…
Mehr Infos zum Freiraumprojekt „Grünes C“…

WAS TUN AN HEISSEN TAGEN? TIPPS FÜR SENIOREN
Gemeinde Burbach

©RonPorter/pixabay

Die Aufklärung über die Gefahren bei starker Hitze ist Teil des Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzeptes der Gemeinde Burbach. Vor allem ältere Menschen leiden an Hitzetagen und sind gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt. Daher hat die Gemeinde in Zusammenarbeit mit der Senioren-Service-Stelle eine Broschüre
mit Verhaltenstipps bei Hitze und mit Ansprechpartner*innen für diese Zielgruppe herausgebracht. Um klimarobuster zu werden, fördert die Gemeinde außerdem Maßnahmen zum Schutz vor Überflutung und die Pflanzung von robusten Schattenbäumen auf privaten Grundstücken.

Mehr Infos zur Klimafolgenanpassung in Burbach…

STRATEGISCH VORGEHEN UND KONKRET UMSETZEN
Stadt Dortmund

Der Rat der Stadt Dortmund hat 2014 die „Strategie der Stadt Dortmund zur Vorgehensweise zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ beschlossen. Die städtische Koordinierungsstelle Klimaschutz/Klimaanpassung treibt die Anpassung an den Klimawandel vor Ort voran. Im Stadtteil Hörde erprobt die Stadt gemeinsam mit verschiedensten Akteur*innen die Erarbeitung und Umsetzung einzelner Maßnahmen, um die gesammelten Erfahrungen danach auf die Gesamtstadt zu übertragen. So wird aktuell ein „Masterplan integrierte Klimaanpassung Dortmund (MiKaDo)“ erarbeitet. Im Handlungsfeld Überflutungsvorsorge ist Dortmund nach mehreren Starkregen besonders aktiv: 2014 wurde eine Handlungsstrategie für den Umgang mit Starkregenereignissen erarbeitet. Ein Arbeitskreis Überflutungsvorsorge, an dem die Bereiche Stadtentwässerung, Stadtplanungs- und Bauordnungsamt, Tiefbauamt, Umweltamt sowie die Wasserwirtschaftsverbände teilnehmen, trifft sich quartalsweise, um über konkrete Projekte und bestimmte Themen (z. B. Oberflächenabflusssimulationen, Alarm- und Einsatzpläne) zu beraten oder auch fachliche Exkursionen zu unternehmen. Im Rahmen der Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von Morgen“ arbeitet die Stadt Dortmund gemeinsam mit den Emscherkommunen an einer wassersensiblen Stadtentwicklung,
u. a. werden Arbeitshilfen für die kommunale Planung erarbeitet.

Mehr Infos zur Klimafolgenanpassung in Dortmund…
Mehr Infos zur Zukunftsinitiative…

UNIVERSITÄTSVIERTEL – „GRÜNE MITTE ESSEN“
Stadt Essen

Auf dem 13 Hektar großen Gelände des früheren Güterbahnhofs ist die „grüne mitte Essen“ entstanden. Die innerstädtische Brache, direkt zwischen der Universität und der Innenstadt gelegen, wurde als Wohn- und Arbeitsquartier mit hohem Grünanteil entwickelt. Kernstück des neuen Stadtquartiers ist ein ca. vier Hektar großer öffentlicher Park mit Aufenthalts-, Spiel- und Sportangeboten und einer multifunktionalen Veranstaltungsfläche. Grün und Wasser belegen fast ein Drittel der Fläche des neuen Quartiers. Die Planung hat viele Faktoren für eine klimagerechte Quartiersentwicklung miteinander kombiniert: Der Park wurde im Vorfeld aller Hochbauaktivitäten angelegt – eine erfolgreiche Initialzündung für die gesamte Quartiersentwicklung, gerade für die Investorenbindung. Das Quartier ist über einen „grünen highway“ und das neue Stadtgrenzen überschreitende Rad- und Wanderwegenetz gut angebunden. Der Radschnellweg RS1 verbindet auch die Standorte der Universität Duisburg Essen. In der zuvor mit Grün- und Freiflächen unterversorgten Innenstadt
Essens bedeutet die „grüne mitte Essen“ für die Anwohnenden eine erhebliche Aufwertung ihres Wohnumfelds und schafft auch für Besucher*innen und die nahegelegene Universität „mehr Grün und Blau in der Stadt“. Bei der Gestaltung von vier insgesamt 440 Meter langen Wasserbecken spielten neben der Erlebbarkeit von Wasser auch Klima- und Umweltaspekte eine wichtige Rolle: Die Wasserflächen werden ausschließlich durch anfallendes Niederschlagswasser von den Wohngebäuden gespeist und wirken bei Hitze kühlend. Für den altindustriellen Standort ist die Zwischenspeicherung von Regenwasser in diesen Becken eine Lösung mit hohem Mehrwert. Neben modernen und energiesparenden Miet- und Eigentumswohnungen sowie Stadthäusern wurden rund 22.800 Quadratmeter Büro- und Dienstleistungsflächen und ein Hörsaalzentrum der Uni Duisburg-Essen realisiert.

Mehr Infos zur „grünen mitte Essen“…
Mehr Infos zur Klimafolgenanpassung in Essen…

INITIATIVE „GRÜN SUCHT DACH“
Kreis Gütersloh

Gebäudebesitzer*innen im gesamten Kreis Gütersloh können mit Hilfe des Gründachkatasters kostenlos checken, wie gut ihr Dach für eine Begrünung geeignet ist. Dazu gibt es Hinweise zu Planung und Bau einer eigenen Gründachanlage und Links auf weiterführende Seiten. Lokale Förderprogramme einzelner Kommunen sind ebenfalls in der interaktiven Datenbank abrufbar. Zudem halten der Kreis und die Kommunen Broschüren zum Thema bereit und helfen bei der Suche nach Fachfirmen weiter. Das Angebot ist Bestandteil der regionalen Initiative „Grün sucht Dach“, die der Kreis Gütersloh im Januar 2020 mit den vier Kommunen Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück, Rietberg und Steinhagen gestartet hat und nun als mehrjähriges Projekt mit allen Städten und Gemeinden fortführt.

Ziel ist es, die Vorteile von begrünten Dächern ins Bewusstsein von Hausbesitzenden und Unternehmer*innen zubringen. Wesentlicher Bestandteil der Initiative sind örtliche Gründachkataster, die der Kreis im Rahmen der Beratungsinitiative zusammengeführt hat. Im nächsten Schritt sollen Fachleute in der Region, Planer*innen und ausführende Betriebe für „Grün sucht Dach“ gewonnen und in einer Datenbank veröffentlicht werden. So finden Interessenten und Fachleute leichter zueinander, sodass die Planung und Umsetzung von Projekten leichter gelingt.

Zum Gründachkataster…
Info zur Ausweitung der Initiative im Kreis Güterlsoh…
Info zum Start der Initiative im Kreis Gütersloh…

ÜBERFLUTUNGSVORSORGE KOMMUNIZIEREN
Stadt und StEB Köln

Köln hat das Thema Überflutungsvorsorge im Zusammenhang mit Starkregen als kommunale Gemeinschaftsaufgabe ausgemacht, bei der sowohl der öffentliche als auch der private Sektor zusammenarbeiten müssen. Die Überflutungsvorsorge auf bereits bebauten Flächen liegt meist in privater Hand. Doch nur wer die Gefahr kennt, kann das Risiko minimieren. Zur Information der Kölner Bevölkerung haben die StEB Köln im Frühjahr 2017 eine Starkregengefahrenkarte veröffentlicht, seit 2020 besteht das Angebot, einen Wasser-Risiko-Check durchzuführen. Dieser Check kombiniert die Gefahrenkarten, Leitfäden und das Fachwissen der StEB, um gezielt Hilfestellung bei Ihrer Maßnahmenplanung zu geben. Das Informationsangebot wird durch Formate zur direkteren Ansprache der Kölner Bevölkerung ergänzt – unter anderem mit Informationsständen auf Straßenfesten, Infoabenden und einer Wanderausstellung zum Thema Starkregen.

Mehr Infos zum Thema Starkregen der StEB Köln…
Projektdarstellung im Rahmen des Wettbewerbs „Klimaaktive Kommune“…
Direkt zum Wasser-Risiko-Check…

KONSEQUENTE DACHBEGRÜNUNG
Landschaftsverband Rheinland (LVR)

Mit über 42.000 Quadratmetern Gründächern auf seinen Liegenschaften leistet der Landschaftsverband Rheinland (LVR) einen aktiven Beitrag zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels. So wurden innerhalb der letzten Jahre 33 Neubau- und Sanierungsmaßnahmen mit extensiv begrünten Dachflächen geplant und zum Großteil baulich umgesetzt. Ein Beispiel ist die Dachsanierung eines großen Gebäudekomplexes für eine Förderschule und ein Berufskolleg in Düsseldorf. Auf 16 verschiedenen Dachabschnitten wurden insgesamt 6.900 Quadratmeter Fläche als extensive Begrünung mit einem Mindestgefälle von zwei Prozent umgestaltet. Der Nutzen ist vielfältig: Der natürliche Regenwasserrückhalt durch die Pflanzen und das Gründachsubstrat entlasten das Kanalsystem und helfen somit, bei Starkregen Überstauereignisse zu vermeiden. Außerdem sorgen begrünte Dächer für gleichmäßigere Temperaturen im Gebäudeinneren: Während sich ein „schwarzes“ Bitumendach auf 80 Grad Celsius aufheizen kann, bleibt ein begrüntes Dach mit maximal 35 Grad Celsius vergleichsweise kühl. Das Substrat sorgt für zusätzliche Dämmung – sowohl gegen Hitze im Sommer als auch gegen Wärmeverlust im Winter. Das Grün bindet außerdem Staub und Schadstoffe und bietet Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Die Dachflächensanierung in Düsseldorf kostete inklusive Dachbegrünung circa 2,6 Millionen Euro, die Finanzierung der Maßnahmen erfolgte aus dem Instandhaltungsbudget des LVR. Außerdem prüft der LVR bei neuen Vorhaben die Installation von Photovoltaik-Anlagen auf dem Dachgrün.

Mehr Infos zur Dachbegrünung des LVR…
Mehr Infos zur Förderung von Gründachern aus Hamburg…

STARK IM REGEN – RIETBERGER SORGEN VOR!
Stadt Rietberg

Ziel der Stadt Rietberg ist es, im Zuge des Konzepts zur Klimafolgenanpassung einen kontinuierlichen Informationsaustausch zwischen Stadtverwaltung, Bevölkerung, Unter­nehmen und Politik anzustoßen. So möchte die Stadt das Bewusstsein für Risiko durch Klimafolgen stärken und die Akzeptanz von Anpassungsmaßnahmen erhöhen. Zugleich sollen auch lokale Akteur*innen selbst dazu angeregt werden, Vorsorge zu betreiben. Speziell für das Thema Starkregen hat die Stadt das Projekt „Stark im Regen“ gestartet und gemeinsam mit Bürger*innen einen Schutzplan entwickelt, um Schäden durch Starkregen und daraus folgenden Überschwemmungen oder Hochwasser zu vermeiden.

Ergebnisse sind eine im Internet veröffentlichte Überflutungsgefahrenkarte und eine Broschüre mit Tipps zum Gebäudeschutz, konkreten Kontakten in der Kommunal­verwaltung sowie Notruf- bzw. Service-nummern für Schadensfälle. Viele Inhalte für die Handreichung an die Bürger*innen konnte die Rietberger Verwaltung dafür aus Köln übernehmen, wo die Stadtentwässerungs-betriebe mit vielfältigen Angeboten ihre Bürger*innen zum Thema Starkregen informieren. Zur Broschüre aus Rietberg…

©Stadt Rietberg

Darüber hinaus haben Schüler*innen eines örtlichen Gymnasiums Filmclips zum Thema Starkregen produziert, die zu Vorsorgemaßnahmen für den Notfall animieren. Und auf der „Klimamap Rietberg“ können Bürger*innen auf einer Online-Karte Anregungen, Ideen, Hinweise und Bedenken zum Klima in der Stadt und zu den Auswirkungen des Klimawandels in Rietberg hinterlassen.

Mehr Infos zur Klimafolgenanpassung in Rietberg…
Zu den Filmclips…

WASSERSENSIBLE UMGESTALTUNG VON STADTQUARTIEREN
Stadt Solingen

Die Stadt Solingen setzt bereits zahlreiche Maßnahmen zur Überflutungsvorsorge im Stadtgebiet um. So wurden zwischen 2008 und 2015 – gefördert aus Landesmitteln – gemeinsam mit dem Spar- und Bauverein Solingen eG fünf Siedlungen mit Flächen von jeweils ein bis drei Hektar vom Mischwasserkanal abgekoppelt: Dachflächen wurden entkoppelt und Regenwasser wird nun über grüne Entwässerungsmulden oberflächig dem natürlichen Wasserhaushalt zur Verfügung gestellt. Das lokal verbleibende Wasser kommt der Begrünung, die entlang der Mulden geschaffen wurde, zugute. Auch Starkregen wird in den Mulden gesammelt, der Abfluss gedrosselt und von dort, wenn möglich in Gewässer eingeleitet, die durch das zuvor im Kanal abgeleitete Wasser wiederbelebt wurden. Zur Vermeidung von Gewässerüberlastung wurden Retentionsflächen vorgeschaltet und – sofern möglich – Quellbereiche eingebunden. So konnte beispielsweise an einem Platz in der Innenstadt eine unterirdisch gefasste Quelle vom Kanal abgekoppelt und in einer zur Retention neu gestalteten Parkanlage an die Oberfläche geleitet werden. Durch die bereits umgesetzten Maßnahmen wurden Dachflächen mit einer Gesamtfläche von zehn Hektar von der Kanalisation abgekoppelt und dem natürlichen Wasserhaushalt wieder zur Verfügung gestellt, was einer Jahresmenge von ca. 100.000 Kubikmeter Regenwasser entspricht. Das bedeutet eine Entlastung der Entwässerungskanäle nach Starkregenereignissen und eine Minimierung der Belastungen durch Mischwassereintrag in natürliche Oberflächengewässer. Der vorher „wilde“ innerstädtische Oberflächenabfluss wird in diesen Siedlungsbereichen durch eine geordnete Ableitung in die Mulden weitgehend verhindert. Weitere Effekte der überflutungsgerechten Planung von Straßen, Plätzen und Grünflächen: das Stadtklima wird an Hitzetagen gekühlt, Grünflächen werden wieder natürlich bewässert, die Lebensqualität für die Bürger*innen steigt. Auch das Stadt- und Landschaftsbild sowie die Naherholung profitieren durch grün gestaltete Retentionsflächen, die nicht zuletzt eine Zunahme der Artenvielfalt zulassen.

Mehr Infos zum Praxisbeispiel…
Mehr Infos zur Überflutungsvorsorge aus Solingen…

KRISENMANAGEMENT BEI STARKREGEN
Kreis Wesel

Mehrere Städte und Gemeinden im Kreis Wesel wurden 2016 durch Starkregenereignisse getroffen, bei einem davon wurde Katastrophenalarm ausgelöst, u. a. weil die Issel über die Ufer zu treten drohte. Die Erfahrungen, die in diesem Ernstfall gemacht wurden, wertete der Kreis aus, um für mögliche zukünftige Ereignisse besser gewappnet zu sein. Den Überblick über die Lage zu behalten, ist demnach essentiell. 30.000 Sandsäcke mussten in kurzer Zeit beschafft, der Pegelstand beobachtet und die Bevölkerung gezielt gewarnt und informiert werden. Der Kreis empfiehlt, u. a. Pressesprecherinnen und Fachberaterinnen für Bevölkerungsinformation und Medienarbeit der Feuerwehr frühzeitig einzubinden, Pressevertreter*innen an der Einsatzstelle zu begleiten und proaktiv Medienarbeit zu betreiben bzw. Berichterstattungen auszuwerten (auch Social Media). Wichtig ist außerdem die Kommunikation zwischen den Einsatzabschnitten, der Kreiseinsatzleitung und dem Krisenstab. Zuständigkeiten zwischen Kreis und angehörigen Kommunen müssen deutlich abgegrenzt und Rollen geklärt sein.

…aus anderen Bundesländern

AUF DIE DÄCHER – FERTIG – GRÜN!
Stadt Hamburg

Als erste deutsche Großstadt hat Hamburg eine umfassende Gründachstrategie entwickelt. Ziel ist es, insgesamt 100 Hektar Dachfläche im Stadtgebiet zu bepflanzen. Die Strategie umfasst die Handlungsebenen Fördern, Dialog und Fordern: u. a. werden Dachbegrünungen durch öffentliche Zuschüsse und indirekt durch die Gebührenreduktion bei der Splittung der Abwassergebühr gefördert, es besteht ein Austausch zwischen Interessierten und Planenden bzw. Vertreter*innen von Behörden über den Nutzen von Gründächern und die Stadt nutzt rechtliche Instrumente (BauGB, Naturschutzgesetz, Abwassergesetz, Hamburger Bauordnung) zum Ausbau von Gründächern.

Mehr Infos zur Hamburger Gründachförderung…

NATURNAHE LÖSUNGEN ZUR ÜBERFLUTUNGSVORSORGE
Stadt Pirmasens

Weitere Praxisbeispiele zur Klimafolgenanpassung in Kommunen außerdem unter:
Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ (Emscherregion)…
Wettbewerb Klimaaktive Kommune…
Kompass-Tatenbank des Umweltbundesamts…