Historisches Unwetter: Wassermassen an zwei Tagen wie sonst in drei Juli-Monaten

Heftige Regenfälle haben in Teilen Nordrhein-Westfalens zu Überschwemmungen und hohen Wasserständen in den Flüssen geführt. Eine derart großflächige und verheerende Hochwasserlage wie in den zurückliegenden Tagen hat es in Nordrhein-Westfalen noch nie gegeben. Darauf haben Umweltministerin Ursula Heinen-Esser und das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) am Freitag bei einem Besuch der Hochwasserzentrale in Duisburg, wo alle Pegel- und Abflussmessungen für Nordrhein-Westfalen zusammenlaufen, hingewiesen.

„Die Wassermassen haben in vielen Regionen bisher gemessene Werte überschritten. Gebot der Stunde ist es jetzt, weitere Folgeschäden zu verhindern und die Betroffenen zu unterstützen. Zugleich müssen wir sehr genau analysieren, wie sich Kommunen noch besser auf solche Extremereignisse vorbereiten können. Klimaanpassung muss noch mehr zur Selbstverständlichkeit werden“ sagte Ministerin Heinen-Esser.

Starkes Hochwasser an 40 von 175 Pegeln

„Von 175 Pegeln an NRW-Gewässern wurden an 40 Messstellen stark erhöhte Wasserstände gemessen, die bisher bekannten Hochwassermarken wurden um bis zu einem Drittel überschritten. In Hagen etwa sind an zwei Tagen über 240 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen, in normalen Jahren fallen im NRW-Durchschnitt im gesamten Juli nur rund 80 Liter“, erläuterte Bernd Mehlig, Leiter des Hochwasserinformationsdienstes des LANUV.

Zahlreiche Menschen sind ums Leben gekommen, vielerorts sind Infrastruktur und Gebäude zerstört. Das Schadensausmaß ist derzeit noch nicht abzusehen. Das flächendeckende Hochwasser hat auch massive Folgen für die Landwirtschaft, Tiere sind verendet, Ernteausfälle sind absehbar.

Das Innenministerium NRW hat ein Postfach eingerichtet, an das sich alle wenden können, die Hochwasseropfern Hilfe anbieten. Es ist unter hilfsangebote.unwetter@im.nrw.de zu erreichen. Die Landesregierung hat zusätzlich die Aktion „NRW hilft“ ins Leben gerufen: Zusammen mit Wohlfahrtsverbänden und Hilfsorganisationen sollen Geldspenden für betroffene Regionen der Flutkatastrophe in NRW gesammelt werden. Weitere Infos zur Hilfsaktion.

Bedeutung von Klimavorsorge wird zunehmen

Guido Halbig, Leiter der Niederlassung Essen des DWD, warnt davor, dass ein fortschreitender Klimawandel in Zukunft häufiger zu solchen Extremereignissen führen wird: „Der Klimawandel zeigt einen ersten bedeutenden Kipppunkt des Klimasystems: den sich abschwächenden Jetstream. Er ist das entscheidende Steuersystem für die Hoch- und Tiefdruckgebiete in unseren Breiten und damit für unser Wetter. Schwächt sich die Höhenströmung ab oder verharrt an einer Stelle, sind Dürresommer wie 2018 bis 2020 oder dramatische Niederschläge wie in diesen Tagen die Folge.“

Ministerin Heinen-Esser kündigte an, die Lage mit betroffenen Kommunen, Kreisen und Wasserverbänden in den nächsten Wochen genau zu analysieren. Viele Kommunen haben bereits Konzepte zur Anpassung an den Klimawandel oder integrierte Klimaschutz- und Anpassungskonzepte entwickelt. Klimavorsorge müsse in den Planungsverfahren eine zentrale Rolle spielen, um die Resilienz von Städten, Gemeinden und Kreisen gegen die Folgen des Klimawandels weiter zu stärken. Eine Grundlage dazu ist das bundesweit erste Klimaanpassungsgesetz in NRW und eine 15-Punkte-Offensive haben.

Land unterstützt Kommunen auf vielfältige Weise

Mit dem Sonderprogramm „Klimaresilienz in Kommunen“ fördert die Landesregierung konkrete Maßnahmen der Klimaanpassung. Das Team der „Kommunalberatung Klimafolgenanpassung NRW“ steht als kompetente Servicestelle zur Unterstützung bei Fragen zu Fördermitteln und Handlungsoptionen bereit. In den kommenden zehn Jahren investieren das Land Nordrhein-Westfalen und die Wasserverbände alleine im Ruhrgebiet rund 250 Millionen Euro in den Ausbau grüner und blauer Infrastruktur im Ruhrgebiet, um die Lebensqualität der Städte zu erhalten und Schäden im Klimawandel zu vermeiden.

Gestern Dürre, heute Starkregen

Noch vor wenigen Wochen wurde diskutiert, ob der Ablauf aus den Talsperren gedrosselt werden sollte, weil zu niedrige Pegelstände drohten. In den letzten Tagen hingegen war der Druck auf die Talsperren so kritisch, dass Dammbrüche befürchtet wurden. Insofern besteht die Herausforderung darin, sich auf verschiedene Extremsituationen wie Dürre, Starkregen oder Stürme einzustellen.

Weitere Informationen
Fachinformationssystem Klimaanpassung des LANUV
Pressemitteilung des Umweltministeriums NRW zur Hochwasserlage
www.flussgebiete.nrw.de
Kontakt zur Kommunalberatung Klimafolgenanpassung NRW